Donnerstag, 18. August 2011: Kaum zu glauben, aber wahr. Fast alle Bikerteamer haben es geschafft, sich für diese gemeinsame Sommertour freizumachen! Eigentlich fast zu schön, um wahr zu sein, denn der Plan für diese Tour durch den Bayerischen Wald, den Böhmerwald, vorbei am Lipno-Stausee und durch das weitgehend unbekannte Südböhmen geisterte schon lange im Hinterstübchen umher. Also war es die allerhöchste Zeit, diesen endlich in die Tat umzusetzen. Bei allerfeinstem Sommerwetter machten wir uns auf den Weg, um uns auf dem Kamm mit André zu treffen. Gemeinsam setzten wir nun die Reise fort und wedelten über den Erzgebirgskamm und durch das Egertal der ersten Station Elbogen entgegen.

In Elbogen (Loket) folgten wir der Straße bis Petschau (Becov nad Teplou), wo wir schließlich in Richtung Marienbad abgebogen sind. Was kurze Zeit später folgte, war einer der spektakulärsten Abschnitte der gesamten Tour: Ein tiefes Tal, links und rechts Felsen, Kurve an Kurve, griffiger Belag und fast kein Verkehr! Pure Begeisterung, die unsere Mundwinkel die Ohren besuchen lies. Eine Wohltat, die man so schnell nicht vergessen mag. Genug geschwärmt und weiter im Text. Im tiefen Land um Marienbad stand die Luft und wir schwitzen bei Temperaturen jenseits der 30 Grad Marke trotz Fahrtwind! Erleichtert erreichten wir die ersten Höhenzüge des Böhmerwaldes und eine leichte Abkühlung setze ein.

Bei Waidhaus überquerten wir abermals die Staatsgrenze und knatterten mal links und mal rechts ganz entspannt dem Tagesziel Spiegelau im nunmehr Bayerischen Wald entgegen. Hier in Spiegelau auf 795 Metern Meereshöhe hatten wir im wunderbaren Bikerhotel "Waldfrieden" reserviert und ließen bei einigen gemütlichen Bierchen und netten Plaudereien mit dem Chef den Tag nochmals vorüberziehen. Der Morgen des 19. August hingegen war ernüchternd, denn es war neblig und regnete. Hmm - was nun? Eine echte Wahl hatten wir ja eigentlich nicht und so sind wir schließlich am späten Vormittag in Richtung Passau losgebikt. Je näher wir der Donau kamen, umso freundlicher wurde das Wetter. Schließlich war es wieder sonnig und wir hatten von der Feste Oberhaus einen feinen Blick auf Passau und den Zusammenfluss von Inn, Donau und Ilz. Genug Kultur - wieder auf die Kräder! Von Passau aus fuhren wir über die B388 wieder hinauf Richtung Gebirgskamm. Ein kurzer Abstecher durch Oberösterreich und wir erreichten über die Böhmerwald Landesstraße den Lipno-Stausee in Böhmen. Nach der kompletten Umrundung dieses aus alten DDR Camperzeiten sehr gefragten - und sehr schönen - Urlaubsziels nahmen wir die restlichen 150 km bis zum Tagesziel Tabor unter die Pneus. Eine abwechslungsreiche Genießertour, sofern man die übervollen National- und Europastraßen umfahren kann. Gegen 18 Uhr erreichten wir das Hotel in Tabor.

Nun schnell einchecken, die Motorräder wegschließen und nichts wie rein ins abendliche Getümmel im Zentrum dieser herrlichen mittelalterlichen Stadt. Zufällig war Tabor in diesen Tagen Austragungsort des "Südböhmischen Jazzfestivals". Nun ist Jazz zwar nicht unsere bevorzugte Musikrichtung, aber eine Koalition aus Böhmischem Bier, russischen Wodka und dieser Mukke ist nicht zu schlagen! Es sollte noch ein längerer Abend werden, bevor wir wieder im Hotel "Kapital" ankerten. Der Morgen des 20. August war überraschend sorgenfrei und das Frühstück reichlich. Bei Kaiserwetter holten unsere Motorräder aus der Garage, packten und verließen gegen 10 das Hotel "Kapital" im wirklich empfehlenswerten Tabor.

Die Rückfahrt hatten wir über - wo es ging - kleine und wenig befahrene Strecken gelegt. Das uns das nicht immer gelungen ist, verwundert kaum, denn auch der motorisierte Tscheche will am freien Wochenende hinaus in die Natur und da sind die wenigen Nationalstraßen natürlich mehr als voll. Aber egal; da mussten wir durch. Dafür wurden wir auf den verbliebenen Abschnitten durch eine grandiose Natur überrascht: Mittelgebirgslandschaften, Wälder, Schluchten, Flußläufe. Kurz gesagt vom Feinsten! Nach einem letzten Stopp am Stausee von Kaaden und einem Nach-Mittagsessen (natürlich böhmische Knödel und Gulasch) machten wir uns auf den Rückweg über den Erzgebirgskamm nach Deutschland. Knapp 1000 km Genußtour liegen hinter uns und eigentlich könnten wir gleich wieder umkehren... Bis zur hoffentlich nächsten großen Tour - dann im Jahr 2012!    Wir sehen uns,  Glück Auf +++

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01/2012